Carfree Times

      Ausgabe 39

15. Juni 2005     
 
Auto im Käfig
"Bitte den Mini nicht füttern, ärgern oder verwirren."
Endlich eine gute Idee der Autoindustrie: Steckt sie in den Zoo.
Braga, Portugal, Mai 2005

Bekanntmachungen

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Luke G. zahlte für Mai & Juni 2005. Danke!

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Carfree Design Manual

Die Arbeit am Carfree Design Manual geht rasch voran. Es dürfte Ende diesen Jahres erscheinen. Seit März habe ich drei Fotoserien geschossen und 4.700 Fotos zur Datenbank hinzugefügt. Diese werden ins Netz gestellt sobald ich die Zeit dazu finde.

Carfree Cities Verfügbarkeit

Sowohl die Paperback- als auch die gebundene Ausgabe von Carfree Cities sind weithin erhältlich. Details auf der
Bestellseite.

World Carfree Network

Towards Carfree Cities V

In Budapest wird die Konferenz Towards Carfree Cities V, 17.-23. Juli stattfinden. Dies ist die fünfte Konferenz in Folge, die vom World Carfree Network. organisiert wird. Lesen Sie das endgültige Programm. Der nächste Ort wird Bogotá sein, wo vermutlich September 2006 TCFC VI stattfinden wird.

Design zum mitmachen

J.H. Crawford wird eine Design-Übung zum Mitmachen bei der TCFC V halten, in der ein 1:500 Maßstabsmodell eines vollständig autofreien Quartiers von den Konferenzteilnehmern erarbeitet werden wird, um die Entwicklungsstufen zu prüfen, die in seinem neuen Buch vorgeschlagen werden.
 

Kurznachrichten

Konferenz "Fussgängerstadt" in Porto

Wenn ein Satz die Konferenz "Fussgängerstadt" in Porto zusammenfassen sollte, so wäre dies: "Die Notwendigkeit, den Autoverkehr einzuschränken ist größer denn je." Diese Forderung wurde während dieser Konferenz, die am 2. und 3. Juni in Portugals zweitgrößter Stadt abgehalten wurde, von den meisten Referenten immer wieder erhoben.

Es wurde von viele Erfolgen berichtet. Durch richtige Weichenstellung können bedeutsame Änderungen erreicht werden. Schon geringfügige Investitionen auf öffentlichen Plätzen, die den Verkehr zurückdrängen und Fußgängern Vorrang einräumen, lassen oft schlagartig den sanften Verkehr zunehmen, der zuvor durch den Autoverkehr unterdrückt wurde.

Viele der Schlüsse sind uns nicht neu; dennoch ist es wichtig zu erkennen, dass die Unterstützung für Fußgänger in Portugal wächst. Diese Konferenz war daher eine hervorragende und wichtige Gelegenheit, eine große Gruppe von Fürsprechern zu versammeln, die gute Nachrichten für die städtische Mobilität brachten. Dies ist gerade jetzt, da Portugal eine schwere Finanzkrise durchstehen muss, besonders wichtig. Die Konferenz zeigte, dass schon geringste Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur schnelle und bedeutende Ergebnisse zeitigen können. Die Botschaft ist einfach: Verbreitert die Bürgersteige und die Fußgänger werden da sein.

Das Gehen wird von den meisten Berufsständen und Politikern nach wie vor übersehen und missverstanden. Nach einem Jahrzehnt mit Studien und Projekten allerdings, durch die das zu Fuß gehen gefördert werden soll, ist es leichter geworden, die Verbundenheit von Laufen und städtischer Lebensqualität zu fördern. Es war interessant zu sehen wie Empfehlungen zunehmend aus unterschiedlichsten Quellen kommen. So reihen sich Gesundheitspolitiker mehr und mehr in die Gruppe derjenigen ein, die die Notwendigkeit für Verbesserungen im Fußgängerbereich unterstreichen.

Ein anderer wichtiger Punkt war: Sammelt Daten! Die meisten Daten über das Gehen sind trügerisch. So würde beispielsweise die Zahl der Fußgänger in offiziellen Statistiken verdoppelt wenn sie Erholungsreisen und Kurzstrecken enthielten. Sammelt Daten über das Vorher/Nachher wenn verkehrsbegrenzende Massnahmen durchgeführt wurden, um den Fluss des Fußgängerverkehrs, Umsätze des Handels, die Zufriedenheit der Bevölkerung und so weiter festzuhalten.

Die meisten Sprecher waren gut bis hervorragend; einige waren geradezu inspirierend, so wie Jose Luis Cañavate (der über die Erfahrungen mit Verkehrsbeschränkungen in spanischen Großstädten redete) und Daniel Sauter (über die Notwendigkeit, die verborgenen Sehnsüchte der Menschen nach lebenswerten Städten, nach dem Vergnügen des zu Fuß Gehens und der Qualität öffentlichen Lebens" wiederzubeleben. Rolf Monheim stellte Zahken aus Deutschland vor, die zeigten, dass eine fußgängerfreundliche Politik dem innerstädtischen Handel nützt. Peter Bosselmann erinnerte die Konferenz an die Beiträge von Donald Appleyard and William H. Whyte zur Kunst, Städte durch direkte Beobachtung und Datenerfassung zu verstehen; seine Präsentation zeigte wahres Interesse an Designqualität und sozialer Verantwortung. Michael Loveday zeigte überzeugende Beispiele aus England. Rodney Tolley hielt einen sehr überzeugenden Vortrag über die wirtschaftlichen Vorteile des zu Fuß Gehens.

Die Konferenz war ein guter Aufbau für die Walk21 conference, die im September diesen Jahres in Zürich stattfinden soll. Leider war das Programm sehr gedrängt und es gab wenig Zeit für Diskussionen. Man war bisweilen unsicher, ob wir eigentlich zu den bereits Bekehrten predigten, oder ob die Konferenz von den am schwersten zu überzeugenden besucht wurde: Politikern und Ladenbesitzern.

Beitrag von Mario J. Alves
Lissabon

Endlich nimmt jemand es mit Clarksons Top Gear auf

Der Testosteron Junkie and Bleifuß Jeremy Clarkson aus der Dauerserie der BBC Top Gear fährt nun doch einigen Widerständen entgegen. Verkehrssicherheitsorganisationen haben die BBC dazu aufgerufen, Clarksons Sendung zu kippen, da sie "die Raserei verherrliche" und einer "halbstarken" Haltung unter Autofahrern Vorschub leiste. Top Gear befördert "unverantwortliches Fahrverhalten und die Besessenheit zu großen Autos." Die Sendung, eine der erfolgreichsten Shows der BBC, sollte durch ein Programm ersetzt werden, das "sensibles Fahren in sensiblen Fahrzeugen" fördert.

In dem Artikel im Guardian wurde weiter gesagt: "Wenn wir schon dabei sind, sollten wir gleich Autos stilllegen, die die höchsten Geschwindigkeitsbeschränkungen um 100% oder mehr übertreffen." Wie wäre es, Autos abzuschaffen, die überhaupt die höchsten Geschwindigkeitsbeschränkungen übertreffen, und, wenn wir schon dabei sind, wie wäre es denn, zu den 90km/h Beschränkungen aus der Zeit der Ölkrise zurückzukehren. Damals wurden Unmengen Treibstoff eingespart, gar nicht zu reden von den Zehntausenden von Menschenleben.

Die beste Erfindung: Das Fahrrad

Die Zuhörer von BBC Radio 4 wählten das Fahrrad zur "bedeutendsten Erfindung seit 1800." Das Rad gewann als unumschränkter Spitzenreiter mit 59% von 5000 Stimmen. Der nächste Platz ging an den Transistor mit lediglich 8%. Das Auto schaffte es nicht einmal auf die Liste, obwohl der Verbrennungsmotor 3% der Stimmen auf sich vereinigte, hinter dem Internet mit 4%

Die Umfrage fragte die Teilnehmer auch danach, was sie am liebsten wieder "ab-erfinden" würden. Diese Umfrage "gewann" genetisch veränderte Nahrung mit 26%. Der nächstplatzierte war die Nuklearenergie mit 19%.

Parken in Budapest

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage in Budapest ergab, dass nahezu alle Befragten mit den Park-Bedingungen in der Hauptstadt unzufrieden waren.

Studio Metropolitana, das Forschungsinstitut des Stadtrats, führte die Umfrage in den ersten Monaten des Jahres 2005 durch. Dreihundert Befragte von über 18 Jahren wurden telefonisch nach Ihrer Meinung zu Budapests Parksystem befragt. Es ging um die Parkgebühren, die Möglichkeit autofreier Zonen und darum, wie die Einnahmen aus Parkgebühren verwendet werden sollten.

Neun von zehn Personen meinten, dass die Parkgebühren dazu verwendet werden sollten, Parkprobleme zu lösen. Fast zwei Drittel meinten, dass nur die Gesellschaften, die die Gebühren eintreiben, Gewinn davon haben. Nur 20% waren der Ansicht, dass Parkgebühren zu schnellerer und einfacherer Parkplatzsuche führten. Die meisten fanden, dass durch Reduzierung der Parkhausgebühren die Autos von den Straßen gebracht und eher in Parkhäusern abgestellt werden sollten. Zwei Drittel meinten, dass das Parken in dem Bezirk, wo man wohnt, umsonst sein sollte.

Bemerkenswerter Weise unterstützten zwei Fünftel der Befragten den Vorschlag, Autos gänzlich aus der Innenstadt zu verbannen, obwohl nur 30% der Autofahrer diese Idee teilen. Etwa 30% der Befragten stellte weiter fest, dass die Menschen sich mehr dem öffentlichen Nahverkehr zuwenden würden wenn die Parkgebühren weiter stiegen. Es ist zugleich interessant, dass mehr als ein Drittel der Menschen mit dem öffentlichen Nahverkehr unzufrieden waren.

Von Lázár Ádám
Studio Metropolitana Kht.
Budapest

Verschwender besteuern

Englische Autofahrer, die die schlimmsten Spritsäufer fahren, dürften bald fünf Mal so viel KFZ-Steuer zahlen wie jetzt. Dieser Vorschlag ist Teil der Bemühungen, angesichts steigender Nachfrage nach immer größeren Autos die Treibhausgasemissionen zu verringern. Die Steuer könnte auf £900/p.a. steigen, was allerdings wenig ist für jemanden, der 50 oder 100 Mal so viel für den Kauf eines solchen Wagens ausgeben kann.

Wie üblich in diesen irren Zeiten ist ein Steuernachlass von £150 für weniger stark emittierenden Autos im Gespräch. Und für die Fussgänger, so darf man wohl unterstellen, nichts.

Der Energy Savings Trust glaubt, dass höhere Strassennutzungsgebühren die Autohersteller zwingen würden, energieeffizientere Modelle anzubieten. Augenscheinlich sind die Minister des Kabinetts Blair unter Druck, Blairs Versprechungen nach Reduzierung der englischen Treibhausgase um 20% bis 2010 nachzukommen. Es wird erwartet, dass die Autoindustrie sich dieser moderaten Steuer natürlich widersetzen wird, selbst angesichts des möglichen Rabatts für die Käufer kleinerer Wagen.

"Owners of Gas-Guzzling Cars to be Hit by Five-Fold Tax Increase"
Common Dreams (from the Independent/UK)
30 May 2005

Harte Stau-Steuer für England vorgeschlagen

Die Blair-Regierung unterstützt einen wahrhaft revolutionären Plan, der Autofahrer bis zu £1.30/Meile auf den belastetsten Straßen kosten würde. Verkehrsminister Alistair Darling sagte, dass ein politischer Konsens über die Vorzüge des Plans schwerlich zu erreichen sei. Nach dem Plan würden Autofahrer mit Hilfe der GPS Technologie für die Straßennutzung zur Kasse gebeten, wobei die Gebühren nach der Belastung der Straße gestaffelt würden. Auf wenig befahrenen Landstraßen würden die Gebühren nur 2% derjenigen betragen, die auf den verstopftesten Strecken im Berufsverkehr anfallen würden. Studien haben ergeben, dass das System die Staus auf Englands Straßen um die Hälfte reduzieren, und dem Land zugleich geschätzte 10 Milliarden £ wirtschaftlichen Verlust durch verstopfte Straßen ersparen könnte. Das System könnte 2014 in Betrieb gehen.

Wie üblich bei solchen Vorschlägen gibt es ernste Bedenken wegen des Datenschutzes, die vermutlich mehr als nur verschönernde Behandlung erfahren werden. Die Terroristen, sie wissen ja ..

Wenn Großbritannien sich für die volle Big Brother-Tour entscheidet, könnten sie gleich noch einige nützliche Sicherheitsmaßnahmen mit einbauen. Die Technologie, um Geschwindigkeitsbeschränkungen auch physisch durchzusetzen, wird zusammen mit der Hardware für die Maut zur Verfügung stehen.

"Drivers to pay £1.30 per mile "
Observer
5. Juni 2005

Feinstaubreduzierung spart Leben und Geld

Die EU sieht erhebliche gesundheitliche Verbesserungen und Kostenersparnis wenn die Feinstaubemissionen auf den aktuell geltenden Grenzwert von 1999 zurückgeführt würden. Dies ergab eine Studie der WHO. Die kleinsten Staubpartikel von 2,5 Mikrometer Größe und darunter reduzieren die durchschnittliche Lebenserwartung quer durch die EU um 8,6 Monate. Dagegen würde die Durchsetzung des EU-Limits für Partikel bis zu 10 Mikrometer, das seit Januar diesen Jahres in Kraft ist, nur 2,3 Monate Lebenserwartung retten.

Einige EU-Ländern haben mit der Einhaltung der Richtlinie schwer zu tun. Mehrere deutsche Städte haben bereits das Limit überschritten. Die Einhaltung würde Dutzende wenn nicht sogar hunderte Millionen Euro sparen helfen. Auch in Italien gibt es Probleme mit sehr hohen Verschmutzungswerte in der Poebene.

Endlich Ruhe in Italien

Um der häufigsten Art von Kleinkriminalität Fesseln anzulegen wird Neapel jetzt strenge Beschränkungen für die verhassten Motorroller erlassen, die Quelle von schlimmem Lärm und Luftverschmutzung in nahezu jeder italienischen Stadt. Handtaschendiebe schätzen die Geschwindigkeit und Wendigkeit der Roller in engen Gassen und Sträßchen. Neapel ist geprägt von chronischer Arbeitslosigkeit.

Die Polizei hat die Roller aus der Stadtmitte vertrieben und hofft darauf, die Stadt damit sicherer und ruhiger zu machen. "Unser Ziel ist, Touristen und Bürgern mehr Sicherheit zu verschaffen", sagte Stadtrat Nicola Oddati. Nach dem Gesetz müssen Nichtanwohner ihre Roller entweder stehen lassen oder sie mit abgeschaltetem Motor schieben. Die Strafen sind moderat, doch man riskiert die Beschlagnahme des Rollers.

Die Reaktion ist gemischt. Ein Rollerfahrer sagte: "Wir leben doch in einer wahrlich absurden Stadt. Es ist richtig, dass man etwas gegen die Kriminalität tun muss, doch wie üblich trifft es auf diese Weise nur die Unschuldigen."

"Scooter Crooks Face Crackdown"
SBS
11. Mai 2005

Ozon-Probleme

Die arktische Ozonschicht dünnte sich in diesem Winter auf die niedrigsten Werte aus, die jemals gemessen wurden. Man hatte gehofft, dass sie sich zu erholen beginnen würde. Offenbar verschlimmer der Klimawandel die Erschöpfung des Ozon. Wissenschaftler denken inzwischen, dass es nochmals 50 Jahre dauern wird um das Problem zu lösen.

Die steigende Zahl von stratosphärischen Winter-Wolken scheint schuld zu sein. Sie liefern die Grundlage für Reaktionen, die zu der raschen Zerstörung des Ozons führen. In drei Monaten seit Ende November 2004 wurden mehr Wolken in längeren Zeiträumen beobachtet als je zuvor. Die atmosphärische Verweilzeit ozonschädigender Chemikalien ist sehr lang und wird noch für ein halbes Jahrhundert auf gefährlichem Niveau bleiben.

Treibhausgas hält mehr Wärme in den unteren Luftschichten was zu einer Abkühlung der Stratosphäre führt. Die Folge ist Eiswolkenbildung in 14 bis 26 km über der Erde in der gleichen Schicht wie das schützende Ozon. Ausufernde UV-Strahlung bedroht das Phytoplankton, das riesige Mengen Kohlenstoff in den Ozeanen bindet.

"Ozone layer most fragile on record
Fears over increase in skin cancer as scientists report that
climate change continues to destroy the earth's protection"
Guardian
27 April 2005

Ford- und General Motors-Aktien erhalten den "Junk" Status

Die Aktien von zwei der weltgrößten Konzerne, Ford und General Motors, wurden kürzlich auf 'Junk'-Status herabgestuft, was bedeutet, dass Finanzdienstleister für die Autohersteller ernste Probleme kommen sehen. GM ist die größte Gesellschaft aller Zeiten, die ihre Schuldverschreibungen zu 'Schrott' herabstufen lassen musste. Ihre Schulden betragen horrende $290 Milliarden. Die von Ford liegen bei 'nur' $160 Milliarden. Der Aktienindex Standard & Poors setzte GM zwei und Ford um einen Platz herunter.

In der Herabstufung wurden schwindende Marktanteile (sieht so aus als ob die Leute langsam genügend SUV's haben), starke internationale Konkurrenz, eine dürftige Produktpalette im Angesicht steigender Treibstoffpreise und steigende Materialkosten genannt. Speziell die steigenden Kosten für Krankenversicherung beuteln beide Konzerne, die jedem in den USA verkauften Wagen zusätzliche Kosten von durchschnittlich 1.500$ aufbürden. Auch Pensionskosten sind eine schwere Last.

"Die Finanzkraft von GM war hochgradig von den Profiten aus SUV-Verkäufen abhängig", so der Analyst Scott Sprinzen. "Die Verkäufe aus mittelgroßen und großen SUVs sind jedoch eingebrochen und die Nachfrage ist zum Stillstand gekommen, auch wegen der hohen Benzinpreise." Auch Ford leidet unter dem selben Problem.

"GM and Ford plunge to junk status:
Punishing blow delivered to debt-ridden carmakers"
Guardian
6 May 2005

Englische Konservative überflügeln Blair im Umweltbereich

Michael Howard, Chef der schwer kämpfenden Conservative party in England, griff Blairs Massnahmen zum Klimaschutz kürzlich in einem Artikel im Guardian an. Blair gab kürzlich panische Laute von sich, als er versuchte, zuvor gemachte Versprechungen zum Klimaschutz, die seine Regierung nicht eingehalten hatte, wieder gut zu machen. Howard scheint entschlossen, aus Blairs Versäumnissen Kapital zu schlagen.

Howard sagte:

Es gibt Leute, die sagen, die Gefahren seien übertrieben worden. Zu diesen Menschen sage ich: Wenn wir euren Weg gehen und ihr habt Unrecht, dann werden wir kurzfristig Geld einsparen, doch langfristig enorm bestraft werden; wenn wir aber meinen Weg gehen und ich Unrecht habe, so werden wir kurzfristige Unkosten haben, doch dafür umweltfreundlichere, sauberere Technologie zu Energieerzeugung und -einsparung bekommen. Solche Technologien würden die Luftqualität verbessern, sauren Regen vermeiden und unsere Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas reduzieren."
er fuhr fort:
Es betrifft nicht nur uns und die Amerikaner. Die ernüchternde Tatsache ist doch, dass China alle zwei Wochen 1.000 Megawatt kohlenbetriebene Kraftwerkskapazität baut. Indien wird bald das selbe tun. Wenn wir nicht die Technologien entwickeln, mit denen diese Riesennationen saubere Energie erzeugen können, können wir den Krieg gegen die globale Erwärmung schon aufgeben.
Angesichts Blairs schauderhafter Bilanz auf anderen Gebieten ist es vielleicht Zeit, auf einen Wahlerfolg der Konservativen in fünf Jahren zu hoffen (schluck!)

"And what if the sceptics are wrong?
The Tories and the US have done better than Blair on climate change"
Guardian
7 June 2005

Welt-Nacktradeltag

Insgesamt 54 Städte rings um den Globus hielten Nacktradeltage ab, um gegen die Ölabhängigkeit zu protestieren. In London nahmen über 100 Radler teil, "Dutzende" fuhren in Chicago herum. (Die Polizei in Wolfville, Nova Scotia, "suchte am Samstag nach einem Haufen unbekleideter Radler", fand jedoch keine).

Der diesjährige Schlachtruf war "Beendet die unanständigen Abgase!" Die Fahrten wurden auch als Gegenpol zu den "zerstörerischen Auswirkungen der Autokultur" verstanden.

"Cyclists bare all in oil protest"
BBC News
11 June 2005
and other sources

Das Ende des Öl-Berichts

Diese Ausgabe enthält zum letzten Mal den Öl-Bericht. Wir setzen ihn künftig ab weil das Thema des Öl-Zenits etwa seit dem letzten Jahr ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt ist. Carfree Times braucht dies Thema daher nicht mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Der Ölpreis ist in den letzten zwei Jahren steil angestiegen, obwohl er sich inflationsbereinigt noch immer deutlich unter den Spitzenwerten von vor 25 Jahren hält.

R.W. Hollier und ich haben eine energiepolitische Denkschrift verfasst, "Energy Future: Nuclear Power, Fossil Fuels, Renewable Energy, Conservation, and Carfree Cities," über Energiequellen, und Strategien zu ihrer Erhaltung. Dies ist noch ein Entwurf und das Buch wird überarbeitet und erweitert werden.

Die Kernenergie ist wieder auf der Tagesordnung nachdem sie in den 20 Jahren seit dem schrecklichen Unfall von Tschernobyl ein Schattendasein gefristet hat. Die wirksamste Strategie ist zugleich die am heftigsten bekämpfte: Die Senkung des Energieverbrauchs. Scheinbar gibt es keine Lobby für diesen Ansatz, während die Nuklearindustrie und die Verfechter nicht-konventioneller fossiler Energiequellen genügend Geld haben, um damit die Gesetzgebung in die Richtung zu lenken, in der sie sie gerne hätten.

Wir werden an dieser Stelle den aktuellen Sachstand vermelden und diesen Gegenstand in künftigen Ausgaben von Carfree Times nur noch am Rande behandeln. Wir hoffen allerdings, bald ein energiepolitisches Weißbuch veröffentlichen zu können.

ASPO Konferenz in Lissabon

Ich nahm an dem größten Teil der Konferenz in Lissabon vom 19. bis 20. Mai teil, die von der ASPO (Association for the Study of Peak Oil and Gas) gefördert wurde. Diese Konferenz war ziemlich gut besucht und zog Politiker wie Michael Meacher (Blairs ehemaliger Umweltminister) und Ed Schreyer (ehemaliger General-Governeur von Kanada) an, sowie eine Reihe amtierender Ministerpräsidenten. Dies zeigt, dass Politiker sich allmählich für dies Thema zu interessieren beginnen.Die Konferenz war auch Ziel zahlreicher Blogger und Low-budget Filmemacher.

Die meisten wichtigen Leute waren anwesend, einschliesslich einiger Andersdenkender, die meinen, dass die Spitzenförderung 2040 bei weitaus höheren Produktionsraten als heute eintreten wird. Beträchtliche Aufmerksamkeit wurde alternativen fossilen Energieträgern geschenkt bzw. der Frage, wie man deren Treibhausgase, etwa mit Hilfe der Sequestrierung von CO2 aus Kohlekraftwerken, begrenzen kann. Auch die Kernenergie war ein heisser Diskussionspunkt.

Ich wette mit Colin Campbell und Matt Simmons, dass die Ölförderung ihren Zenit jetzt überschreitet, plus/minus vielleicht einige wenige Jahre. Der exakte Zeitpunkt tut nicht viel zur Sache und der Förderrückgang wird nicht jählings einsetzen (es sei denn, dass Hubberts Modell zu optimistisch ist, was bislang nicht der Fall zu sein scheint). Statt dessen ist es die stark steigende Nachfrage, die die Preise steigen lässt, verbunden mit dem Scheitern von Bushs Nahost-Politik.

Zusammenfassungen und Beiträge sind auf der Konferenz-Webseite zu finden.
 

Simmons zum Thema Erdöl

Ich traf Matt Simmons kurz auf der Lissaboner Konferenz. Er ist ein netter Mann und korrigierte mich gleich in einem Punkt: Er war kein Mitglied der Cheney'schen Energie-Kommission, sondern deren Berater.

Er hat sich sehr bemüht, endlich mit dem Mythos aufzuräumen, der Nahe Osten schwämme in Öl. Es stimmt, das der größte Teil der Welt-Ölreserven sich dort befindet, aber das bedeutet keinesfalls eine unerschöpfliche Quelle. In der Tat liegt das Öl auf recht engem Raum in dieser turbulenten Weltgegend.

Saudi Arabiens Ölreserven hat er unter Benutzung von Unmengen techischer Daten, die über die Jahre zusammen kamen und offenkundig von anderen Forschern nicht genutzt wurden, eingehend studiert. Das weltgrößte Ölfeld, Ghawar, hat in der Vergangenheit allein die Hälfte saudischen Öls erbracht. Er sorgt sich, dass dieses Feld zur Neige gehen könnte, teils wegen zu hoher Fördermengen über zu lange Zeit. Dies wird dazu führen, dass mehr Öl drinnen bleiben wird, das sonst hätte gefördert werden können.

Simmons glaubt, dass Saudi Arabien bereits weit in zweitrangige Förderung vorangeschritten ist, und dass drittrangige bereits begonnen hat. Dies bedeutet dass saudisches Öl schwieriger zu fördern sein wird und dass die Förderquoten bald zurückgehen werden. Simmons meint, dass es den Saudis unmöglich sein wird, ihren Versprechungen von einer Produktionssteigerung auf 15 mbd (Millionen Fass/Tag) von derzeit 9 mbd nachzukommen. Tatsächlich behauptet Simmons, dass Ghawar das einzige gute Reservoir der Saudis ist; die anderen sind technisch schwierig. Er glaubt, dass wenn Ghawar einmal seinen Zenit überschritten haben wird, es für Saudi Arabien nur noch bergab gehen und dass dies den weltweiten Zenit markieren wird - ohne erhöhte Förderung von Ghawar wird es unmöglich sein, Förderrückgänge vonanderer Seite auszugleichen.

Simmons fordert mehr Transparenz in Bezug auf saudisches Öl, was aber unwahrscheinlich erscheint. Wie viele Experten sagten: Der Öl-Zenit wird nur im Rückspiegel sichtbar sein. Es wird wohl Zeit, zurückzuschauen.

Simmons Vortrag :
"Twilight In The Desert: The Fading Of Saudi Arabia’s Oil" [PDF!]
Weitere Quellen bei:
Simmons & Company

Aus anonymer Quelle

Ich bin für eine internationale Ölgesellschaft tätig, im Bereich der Erschliessung. 'Peak Oil' ist Tatsache, wir befinden uns bereits auf der Rückseite der Glockenkurve.
Anonym

Dieser Schreiber, wer immer er sein mag, arbeit wohl nicht für das FBI. Er fuhr fort und traf einige Feststellungen, die selten so deutlich heraus kommen:

  • Die Zahl unserer Bohrausrüstungen ist begrenzt; es sind nahezu alle in Benutzung und es werden keine neuen gebaut. Die meisten Bohranlagen sind alt.
  • Wir leiden unter Mangel an qualifiziertem Personal. Die Arbeiterschaft im US-Petroleumsektor ist von 1,6 Mio. des Jahres 1982 auf etwa 500.000 heute zurückgegangen. Die meisten dieser Leute sind über 45 Jahre alt.
  • Die Vorstellung, wir säßen auf 'sicherem' Öl, ist albern.
  • Die USA haben definitiv das "zweitrangige" Schürfen bereits hinter sich. Was jetzt noch im Boden ist, ist wegen der Tiefe, Temperatur oder "anderen" Faktoren, einschl. der "nicht-bei-mir"-Haltung mancher Leute.
  • Viele kleinere Felder werden wegen des geringen Ölertrags niemals ausgebeutet werden.
  • Weltweit sind die größten Felder bereits erschlossen. Was bleibt ist größtenteils schwierig oder unmöglich. Wir kämpfen zur Zeit um die Reste, ausgenommen die afrikanische Küste, wo wir auch um unsere Leben kämpfen. Westafrika wird uns auf absehbare Zeit nicht helfen können.

Er folgert:

Es ist keine Frage, ob der Zenit überschritten wurde - es ist Tatsache! Die bessere Frage wäre: "Wann werden die Fehler der Vergangenheit uns einholen? Wann werden wir die beginnenden Kürzungen und Preisanstiege erleben? Ich denke wir haben noch ein Jahrzehnt, sofern sich alle auf der Erde fair verhalten. Doch war das je der Fall wenn etwas knapp wurde?
Alles was er sagte stimmt mit dem überein, was ich auf der Lissaboner Konferenz hörte, ausgenommen die paar Leute, die glauben, dass wir noch etliche Jahre haben bevor der Gipfel erreicht ist.

"A letter from oil exploration insider"
Urbansurvival.com
21 February 2005

Öl bei $380 in 2015?

Die französische Investmentbank Ixis-CIB warnte davor, dass die Rohölpreise um 2015 $380/barrel erreichen könnten (anscheinend nicht inflationsbereinigt). Analysten sagten dass die Nachfrage die Förderung in den nächsten zehn Jahren überflügeln würde. Sie sahen keine Möglichkeit kommen, dass die Verknappung durch Alternativen ausgeglichen werden könne, da diese noch nicht entwickelt und einsatzbereit seien, "daher werde sich die Welt auf traditionelle fossile Brennstoffe stützen müssen".

China trägt in starkem Maße zum weltweit gestiegenen Öldurst bei. Rapide Verstädterung und die Nachfrage für Unterkunft, Autos und Transport werden den Energieverbrauch in China erhöhen, wo die Wirtschaft seit Jahren boomt.

"Will oil strike $380 a barrel by 2015?:
A steep rise in prices is expected due to growing energy demands"
Aljazeera
21 April 2005

 

Leitartikel

Casa da Musica, Porto
Casa da Música, Porto, 2005
Rem Koolhaas liess eine Ladung "Kunst" fallen.

Die Stadt Porto hat €100 Millionen für dieses Stück Schrott ausgegeben. Armes Porto. Es wird wohl viele Jahre dauern, bis sie es sich werden leisten können dieses Monstrum wieder abzureissen und etwas bessers hinzustellen.

Casa da Musica, Porto
Künstliches Kliff

Ich habe keinerlei Zweifel, dass der Auftrag in üblicher Weise erteilt wurde. Architekten werden zu einem Ausschuss zusammengestellt, der dann einen der ihren beauftragt, ein wichtiges modernes Gebäude zu entwerfen. Seit Modernisten, Post-Modernisten und Dekonstruktivisten die architektonischen Institutionen in ihrem Würgegriff halten werden eigentlich nur noch ihre Gebäude gebaut. Die Öffentlichkeit erhält dann jedes Mal einen mißlungenen Versuch, 'Kunst' zu erzeugen, wenn alles, was benötigt wird, ein Gebäude ist, das funktioniert, in seine Umgebung passt, rechtzeitig und ohne Budgetüberschreitung fertig wird und niemandem schadet. Und es kommt noch schlimmer - wenn diese Gebäude teurer werden als geplant, was oft vorkommt, erhält der Architekt, der oft anteilig bezahlt wird, ein höheres Honorar.

Casa da Musica, Porto
Winklige Eingangstür

Es wäre wohl im Moment zu viel erwartet, dass Bürgergruppen die Architekten bei der Entscheidung ersetzen, doch könnten wir nicht bitte zumindest eine Bürger-Jury beauftragen, ihre eigenen Vorstellung zu den Vorschlägen zu äußern? Am Ende würden wir die Vorstellung der Architekten mit der gewöhnlicher Bürger vergleichen. Ich würde erwarten, dass diese Vorschläge erheblich auseinander gehen würden. Dies würde zumindest die Politiker darüber klar werden lassen, dass ihre Auswahl den Wählern ganz und gar nicht gefällt. Gelegentlich könnten wir dann die Rückkehr zu zivilisierter Bauweise, die etwas Achtung für Städte und ihre Bewohner zeigt, erleben.

Casa da Musica, Porto
Kopfhoher Treppenabsatz

Koolhaas sollte nie wieder ein solches Gebäude entwerfen. Und keiner seiner Zeitgenossen, die eifrig dabei sind, tausende Jahre von sicherer, zufriedenstellender und dankbarer Baugeschichte zu "dekonstruieren".  
 

Bücher


 
cover
Reisen zu autofreien
Orten in der Schweiz

Andreas Schwander

Friedrich Reinhardt Verlag, 2005

161 pages
Softcover
About 30 Swiss Fr.
ISBN 372451283x

Es ist höchste Zeit für Bücher mit dem Thema Autofreiheit, und hier ist eines. In der Schweiz gibt es mehr autofreie Städte als man vermuten möchte und einige von ihnen haben recht innovative Arten erfunden sie zu erreichen.

Es ist ein kleines Büchlein das in die Tasche passt. Aus der Schweiz stammend ist es nicht überraschend dass es wunderschön gedruckt und voller schöner Farbbilder ist.


 

Brandneue Links

Nachstehende Links öffnen ein neues Browserfenster:

Hidden Subsidies for Urban Car Transportation: Public Funds for Private Transport [PDF!] (ICLEI)

Efficient Vehicles Versus Efficient Transportation [PDF!] (VTPI)

London Congestion Pricing: Implications for Other Cities [PDF!] (VTPI)

Cycling Trends and Policies in Canadian Cities [PDF!] (VTPI)

Reclaiming city streets for people: Chaos or quality of life? [PDF!]

Report Tallies Hidden Costs of Human Assault on Nature

The Allderblob international movement for a moratorium on car advertising

Why I Am Not an Environmentalist

A Planetary Problem (Global Warming)

Third report on congestion charging [PDF!]

Chinese commuters told: get off your bikes

What is RegioTram Nisa?

"One Planet Many People" Atlas Launched

If a green utopia on Treasure Island sounds far-fetched, dreamers have a plan

Understanding and measuring bicycling behavior (and other papers)

New Jersey Bicycle and Pedestrian Resource Project

Bicyclopedia

Classicist v modernist: architects clash on £20m update for Wren's historic hospital


 

Über Carfree Times

Nächste Ausgabe

Die nächste Ausgabe von Carfree Times ist für September 2005 vorgesehen.

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